Adel
der
Altmark

Bedeutende
Personen

Vom Edelknaben des Großen Kurfürsten zum Generalfeldmarschall:
Joachim Christoph v. Jeetze

gekürzt nach Dr. Ernst Block in der “Volksstimme” vom 11. Oktober 2004

Das Adelsgeschlecht der Jeetze gehört zum Uradel der Altmark und war über Jahrhunderte hier begütert. Auch die Zeit des 30jährigen Krieges überstand die Adelsfamilie in der Altmark im Kreis Salzwedel.

Joachim Parum v. Jeetze lebte in der Regierungszeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1640-1688) im altmärkischen Dorf Hohenwulsch. Er war verheiratet mit Dorothea Elisabeth v. Vinzelberg. In dieser Ehe wurde am 16. September 1673 der erste Sohn Joachim Christoph geboren. In die Zeit seiner ersten Lebensjahre fällt der Krieg mit Schweden, der durch die Schlacht von Fehrbellin zu Gunsten Brandenburgs entschieden wurde.
Das Gutsdorf Hohenwulsch wurde noch einmal vom Krieg verschont. Joachim Christoph konnte unter friedlichen Bedingungen aufwachsen. Die ersten schulischen Unterweisungen erhielt er im Elternhaus. Bereits 1688 mußte er als Edelknabe an den Hof des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm nach Berlin gehen. Als der Kurfürst am 6. Mai 1688 in Potsdam verstarb, trat er als Junker in die Armee ein. Im September des selben Jahres begann der Pfälzer Erbschaftskrieg. Bei diesen Käpfen am Niederrhein erhielt der erst 16-jährige Junker v. Jeetze seine Feuertaufe und wurde 1689 für sehr tapferes Verhalten zum Fähnrich befördert. Danach nahm er an weiteren Kämpfen in den Niederlanden und im Cleveschen Gebiet teil. 1692/93 drangen französische Truppen noch einmal über den Rhein vor, in deren Folge die Stadt Heidelberg vollständig zerstört wurde. In der Schlacht bei Landen in der Provinz Lüttich zeichnete sich der Fähnrich v. Jeetze so aus, daß er zum Sekondeleutnant ernannt wurde. Die Kämpfe zogen sich trotz zunehmender Erschöpfung der kriegsführenden Parteien bis zum Friedensschluß von 1697 hin.  Joachim Christoph konnte als Premierleutnant endlich in die Heimat zurückkehren. In den Kämpfen des Spanischen Erbfolgekrieges ab 1701 war die Preussische Provinz Cleve in die Hände des französischen Königs Ludwig XIV. geraten. Der Leutnant v. Jeetze wurde zum Kapitän (Hauptmann) befördert. Unter dem Oberbefehl der hervorragensten Heerführer jener Zeit, John Churchill Graf von Marlborough und Prinz Eugen von Savoyen, gehörte der Kapitän v. Jeetze zum zum preußischen Truppenkontingent, das von dem Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau geführt wurde. Am 13. August 1704 kam es zur Schlacht von Hochstädt an der Donau. Die französisch-bayerischen Truppen erhielten eine vernichtende Niederlage und mußten sich hinter den Rhein zurückziehen. Kapitän v. Jeetze stand bei dieser Schlacht im Infanteriekampf in der ersten Reihe. Durch eine Kugel erhielt er schwere Verletzungen im Unterleib. Nach seiner Genesung marschierte er mit dem Hilfskorps des Fürsten Leopold als Kompanieführer nach Italien. In der Schlacht bei Turin wurden die Franzosen durch ein Kommando unter dem Prinzen von Savoyen erneut geschlagen. Die preußischen Soldaten kämpften hierbei sehr tapfer:
“Der Fürst von Anhalt an ihrer Spitze überstieg die Verschanzungen, die Brandenburger riefen einander ein älteres Vorwärts zu, das Wort `Gah to`”. Auch hier zeigte sich Kapitän v. Jeetze als tapferer Offizier. Prinz Eugen bestätigte den Mut und die Ordnung der preußischen Soldaten: “Sie haben die meinigen weit übertroffen”.

Joachim Christoph v. Jeetze gründete nach 1706 eine Familie. Er heiratete in Hohenwulsch Dorothea Sophie v. Borstel aus Groß Schwarzlosen. Bei den weiteren Kriegszügen begleitete die junge Frau ihren Mann, so in Südfrankreich und Oberitalien. Nur kurz waren die Zeiten eines Waffenstillstands.

Von 1709 bis 1711 nahm Joachim Chris toph an weiteren Kämpfen in Italien teil und erhielt 1712 die Beförderung zum Obristwachtmeister (Major). 1714 kehrte er in die Heimat zurück.1713 trat Friedrich Wilhelm I. die Nachfolge seines Vaters als Preussischer König an. Als “Soldatenkönig” ging er in die Geschichte ein. 1715 erklärte er Schweden den Krieg. Bei der Eroberung Stralsunds am 21. Dezember 1715 war Joachim Christoph zugegen. Hier erfolgte wegen abermals bewiesener Tapferkeit die Beförderung zum Obristleutnant. Im April 1716 wurden mit der Eroberung Wismars die Schweden aus Deutschland vertrieben und Joachim Christoph zum Obristen befördert. Nach Abschluß des Friedensvertrages mit Schweden im Februar 1720 begann für Obrist v. Jeetze eine andere Soldatenzeit.

Er erhielt das Finckensteinsche Regiment als Kommandeut mit dem Standort Bartenstein in Ostpreuße, 60 km südlich von Königsberg gelegen. Die Ausbildung des Regiments stand nun im Mittelpunkt seiner militärischen Arbeit. 1733 wurde ihm das 30. Feldregiment der Infanterie mit dem Standort Anklam übertragen. König Friedrich Wilhelm war mit dem Ausbildungsstand seines Anklamer Regiments sehr zufrieden. So wurde der Regimentskommander Obrist v. Jeetze 1737 zum Generalmajor befördert.

Am 16. Dezember 1740 begann Friedrich II. von Preußen mit dem Einmarsch seiner Truppen in Schlesien den Krieg mit Österreich. Das 30. Infanterieregiment des Generalmajors v. Jeetze gehörte zu den ersten einrückenden Truppen. Glogau wurde belagert, Breslau besetzt. Das Regiment v. Jeetze belagerte im Januar das Schloß Namlau, jenseits der Oder gelegen, bis sich die österreichische Besatzung ergab. Im März 1741 wurde Glogau erobert. Am 10. April 1741 kämpfte das Infanterieregiment v. Jeetze in der Schlacht von Mollwitz und hielt hier mit außerordentlicher Tapferkeit der österreichischen Reiterei stand. Anschließend eroberte das Regiment die Festung Brieg. Am 5. Juni 1741 wurde Generalmajor v. jeetze durch König Friedrich II. besonders geehrt: Es erfolgte seine Ernennung zum generalleutnant, die zum Statthalter von Oeitz und zum Amtshauptmann von Wolmierstedt und Wanzleben. Und er erhielt den “Schwarzen Adlerorden”.

Die Verleihung des “Königlich Preussischen Ordens vom schwarzen Adler” war die höchste Auszeichnung des Königreiches Preussen. Gestiftet am Krönungstage, am 18. Januar 1701 in Königsberg, bedeutete die Aufnahme in diesen Ritter-Orden die höchste Anerkennung für Leistungen für den preuß. Staat. Neben den Söhnen und Brüdern des jeweiligen Herrschers als “geborene Mitglieder” war die Anzahl der Ordenträger auf 30 beschränkt. Durch die Aufnahme Joachim Christophs v. Jeetze in diesen exklusivsten Orden wurden seine Verdienste zu Beginn des 1. Schlesischen Krieges vorzüglich gewürdigt.

Das Regiment v. Jeetze nahm an der Eroberung von Prag 1744 teil und erhielt am 19. Januar 1745 die Ernennung zum General der Infanterie. Am 4. Juni 1745 befehligte der General von Jeetze in der Schlacht von Hohenfriedberg die preussische Infanterie, die mit ihrer Bajonettattacke zum Sieg beitrug. Auch an den letzten Schlachten des Krieges, bei Soor und Kesselsdorf nahm der mittlerweise 72-jährige Joachim Christoph mit seinem Regiment teil. Noch im Dezember wurde Frieden geschlossen.

Als er 1746 König Friedrich II. bat, sich aus gesundheitlichen Gründen auf seine Güter begeben zu dürfen, erhielt er diese Erlaubnis unter Beibehaltung der Stellung als Chef des 30. Infanterieregiments. Dazu erhielt er 1747 die Ernennung zum Generalfeldmarschall.

Das Leben Joachim Christophs von Jeetze war geprägt von 60 Jahren militärischen Dienst für vier Landesherren in Brandenburg und Preußen. Dieser altmärkische Edelmann gehört zu den ganz wenigen Militärs, die einen derartigen Aufstieg erreichten.

Als Generalfeldmarschall von Jeetze 1752 durch Fruedrich II. nach Potsdam eingeladen wurde, folgte er dieser Einladung des Königs trotz starker körperlicher Beschwerden. Er vertarb am 11. September 1752 in Potsdam. Die Beisetzung erfolgte in Hohenwulsch, wo noch heute ein Epitaph in der Kirche an diesen bedeutenden Mann erinnert.   

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