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Volksstimme vom 23. Juni 2003

Schloß Krumke und seine Herren
von Jochen Reinecke

Etwa 5 km von Osterburg entfernt, an der Landstraße nach Krevese gelegen, befindet sich der für die Geschichte der Altmark recht bedeutende Ort Krumke. Im Jahre 1170 wird der Burgdienst der Einwohner des benachbarten ortes Losse urkundlich erwähnt, den diese ihrem “castrum provinciale” zu leisten haben. Unzweifelhaft wird hiermit die markgräfliche Burg Krumke bestätigt. Eine ziemlich gleichmäßige verteilunf der Besitz- und Herrschaftsrechte über die gesamte Altmark war ein Zeichen für den Ausbau der markgräflichen Herrschaft über dieses Gebiet.

1320 gehörte die Burg zum Wittum der Herzogin Anna von Breslau, der Witwe des Markgrafen Hermann von Brandenburg. Nach ihrem Tod ging die Burg an den Markgrafen Ludwig dem Bayer und seinen Nachfolgern, welche verschiedene ritterliche Familien damit belehnten. Erst 1321 ist die Burg Pfandbesitz der Lehnsfamilie von Kröcher. 1578 wird von Entzelt jedoch die Behauptung aufgestellt, daß zunächst die von Vinzelberg und seit 1321 die von Redern Krumke besessen haben. 1370 erhielt Markgraf Otto von Brandenburg die Belehnung des Schlosses Krumke durch den Bischof von Halberstadt. Er gab die Burg als Lehen an die Familie von Redern weiter. Die Kirchenvisitationsabschiede von 1541 benennen Henning von Redern als Patronatsherr. Der Pfarrhof besaß die stattliche Größe von 3 Hufen Landes. 1581 werden Valentin ( seit 1588 mit Elisabeth von der Schulenburg vermählt) und 1600 Daniel von Redern erwähnt. der Pfarrer Joachim Bismarck stammte aus Osterburg. Seit 1612 war die Familie von Redern nicht mehr im Lehnsbesitz der Burg. Ihr Besitznachfolger, die Herren von Winterfeld, erhielten nicht mehr den Rang “Altmärkischer Schloßgesessener”.

Um das Jahr 1565, während Valentin von Redern im Besitz von Krumke war, begannen die über ein Vierteljahrhundert dauernden Streitigkeiten zwischen denen von Redern und ihren Nachbarn, der Familie von Bismarck auf Krevese (seit 1562) mit steigender Erbitterung. Den Anlaß dafür boten die Bismarcks, indem sie eine weitere Mühle bauen ließen, um den Mahlzwang der Redern zu unterwandern.

Am 14. Juli 1589 endete die Auseinandersetzung mit einem Mord. Valentins Sohn. Daniel von Redern, erschoß auf der Grenze der beiderseitigen Feldmarken Abraham von Bismarck. Für die Fsmilie von Redern sollte dieser Vorfall fatale Folgen haben. Redern wurde anschließend auf der Festung Spandau inhaftiert. Der Schöppenstuhl zu Brandenburg sprach sich für die Todesstrafe aus. Nach 1607 wandelte man die Strafe in Landesverweisung um, da selbst für eine Kaution den Redern das Geld fehlte. Bereits 1600 wurden Curatoren wegen der Befriedigung von Gläubigern eingestzt. Unklar ist, ob Redern inhaftiert blieb, oder das Land verließ. Aus dieser Zeit stammt folgender Wertanschlag:

“... Das Haus mit einem Turm mit Schiefer gedeckt, darum ein Gang umher, zwei Gewölbe untereinander, Windelsteine, Erkner, Fenster und Thüren, samt anderen vier Häusern und vier gewölbten Kellern Innerhalb des Walles. Der Burggraben, darin gute Fischerei, welche mit eichnen Pfählen und Bohlen allumher ausgefüttert und ein Staket darauf, davor der Teichgräber allein für seine Fabrik 1000 Taler bekommen. Die beiden Vorwerkshöfe zwischen dem anderen Graben, darauf zehn Gebäude mit dem neuen Stall ... Gärten: Der Lustgarten aufm Hause binnen Walls, der Hopfengarten aufm andern Walle um das Vorwerk, der große Garten ... Fischerei ... Weinwachs, Mühlen” u.s.w.

Hans Dietrich von Winterfeld aus Dalmin erstand das Gut aus dem Konkurs für über 30 000 Taler am 4. November 1607. Aber schon 1611 verkaufte es Winterfeld für 50 000 Gulden Lübischer Währung an Heinrich von Bülow auf Gartow. Heinrich von Bülows Sohn, Christoph, veräußerte im Oktober 1649 weiter an Christoph von Kannenberg aus Busch in der Wische.

General von Kannenberg wird Besitzer von Krumke. Kannenberg heiratete 1654 Marie von Bartensleben aus der reich begüterten Familie in Wolfsburg. Als Ehegeld wurde die hohe Summe von 4 000 Talern gestiftet. Krumke blieb nun zwei Jahrhunderte lang Eigentum dieser Familie und kam als solches zu hohem Ansehen.

Christoph von Kannenberg avancierte als schwedischer Oberst zum kurbrandenburgischen Generalleutnant, Chef eines Regimentes zu Pferde und zu Fuß, Geheimer Kriegsrat und Kammerherr, Gouverneur der Festung und Erbmarschall des Fürstentums Minden, durch Zukauf Erbherr der Güter Busch, Kannenberg, Iden und Himmelreich. Christoph von Kannenberg gehörte zu den erfolgreichsten Generälendes Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Er wurde 1615 im Busch geboren, als Sohn des Rittmeisters Christoph und seiner Mutter Elisabeth, geb. von Barsewisch. Seine Familie ist seit 1320 in der Altmark nachweisbar. Sie führte im blauen Schilde drei silberne Kannen und ist im gleichnamigen Ort als Lokatorenfamilie (Ortsgründer) zu vermuten. Kannenbergs Besoldung als Regimentschef sowie durch zahlreiche Plünderungen in den schwedischen Feldzügen ermöglichten ihm den Zukauf  verschiedener Güter als erblichen Besitzes.

Ein besonderes Vermächtnis hinterließ er als Landwirt durch die erste bekanntgewordene Separation und Regukierung in Kurbrandenburg. Am 10. Februar 1673 verstarb Kannenberg. In Minden fand eine Totenfeier mit hohen Ehrungen statt. Im Erbbegräbnis in Krumke ist er später beigesetzt worden. General Kannenberg hinterließ zwei Söhne, Günzel und Friedrich Wilhelm, der Oberhofmeister der Königin Sophie Charlotte war, sowie drei Töchter, Maria Elisabeth, Agnes Sophia und Dorothea. Friedrich Wilhelms Sohn (Mutter Barbara Helene Freiin von Bibra und Moldau aus Schlesien), Friedrich Wilhelm Freiherr von Kannenberg, war der letzte seines Geschlechts. Als preußischer Oberst und späterer Oberhofmeister der Königin Elisabeth Christine von Preußen und Erbmarschall des Fürstentums Minden verstarb er am 22. Mai 1762. Aus seiner Ehe mit Charlotte Albertine Gräfin von Finckenstein (gest. 1795), Oberhofmeisterin der Königin, entstammte nur eine Tochter, Friedericia Wilhelmine (1724-1806), welche sich mit dem Generalmajor Henning Alexander von Kahlden (geb. 1716) vermählte.

Am preußischen Hof nahm die Oberhofmeisterin von Kannenberg eine besondere Stellung ein. Wegen der nahen Beziehung zur Königin Elisabeth Christine, Tochter des Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg, soll diese oft wochenlang als Gast in Krumke oder Iden Aufenthalt genommen haben.

Die seit 1750 in der Altmark ansässige Familie von Kahlden stammt ursprünglich von der Insel Rügen. Sie führte im silbernen Schilde einen roten Löwenkopf. Kahlden verstarb bereits 1758 durch schwere Verwundungen im Siebenjährigen Krieg. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor. Wilhelm Leopold Ferdinand von Kahlden erhielt Krumke, Iden und Kannenberg, der jüngste Sohn Friedrich Wilhelm Berge und Busch. Leopold verstarb 1837 und wurde, seinem letzten Willen entsprechend, in dem von ihm neu erbauten Grabgewölbe im Krumker Park beigesetzt. Sein Sohn Wilhelm Ferdinand August erbte die Güter Iden und Krumke, sein Bruder das Gut Kannenberg. August starb ebenfalls 1837 in Iden und hinterließ fünf Kinder. Rudolf (1821-1862) erbte nach Vormundschaft das Gut Krumke.

Das 19. Jahrhundert veränderte durch die “Stein-Hardenberschen Reformen”, insbesondere durch das Oktoberedikt von 1807, die Rechtsform des freien Erwerbs von Grund und Boden sowie  die Ablösung der Dienste durch Kapital- oder Geldrenten. Für Krumke bedeutete dies die Aufgabe der zinspflichtigen Dörfer Dobrun, Polkau, Düsedau, Lichterfelde, Schwarzenhagen, Möllenbeck, Losse, Natterheide und Calberwisch. Zwischen 1838 und 1852 war das Gut an den Amtmann Friedrich Giesecke verpachtet. Rudolf von Kahlden wandte sich der Neugestaltung der Parkanlage zu. Unterseine Ägidie fiel der Schloßneubau von 1860. Nach seinem Tod verwaltete seine Ehefrau Helene, geb. von Winkler, das Anwesen. Auch sie starb bald, so daß Krumke an ihren Schwager Otto von Kahlden und dessen Ehefrau Adelheid Sophia, geb, von Witzendorf, überging.

Otto lebte bis 1900 in Heiligendamm und wurde in Krumke beigesetzt. Sein Sohn, Rudolf von Kahlden, war neben Krumke auch Besitzer des Ostseebades Heiligendamm. Im Jahre 1911 erwarben der Generaldirektor der Deutschen Bank, Dr. Arthur von Gwinner (1855-1931), dessen Ehefrau eine geb. Speyer war, durch Kauf Schloß und Gut Krumke. Park, Schloß und Wirtschaftsgebäude wurden von Grund auf renoviert. Gwinner schuf die herrlichen Anlagen und die musterhafte Wirtschaft, welche Krumke in dieser Zeit zur Sehenswürdigkeit machten. Später gelangte der Besitz, nach dem Tod Arthur von Gwinners, an seine Töchter Margarethe und Charlotte von Wedel. 1934 schenkte Margarethe ihren Teil des Gutes ihrem Ehemann Prof. Karl Klingler, einem bedeutenden Violinisten und Primarius des nach ihm benannten Quartetts. Diese Schenkung begründete sich aus Angst durch die “Nürnberger Gesetze” einer Enteignung zum Opfer zu fallen, weil Frau von Gwinner einer jüdischen Bankiesfamilie entstammte. 1935 verkaufte Charlotte von Wedel ihren Teil an Klingler aus den gleichen Gründen. Bis Kriegsende war Krumke oft Zufluchtsort für die Familie. 1945 wurde der Besitz enteignet. Das Hausinventar ist durch Plünderung beinahe völlig verlorengegangen. Im Landeshauptarchiv in Magdeburg sind Teile der Bibliothek, einige Ölgemälde, ein Kabinettschrank aus Ebenholz, Notenbestände des Klingler-Quartetts und eine zerlegte Alhambra vorhanden.

Nach 1945 bis 1989 diente das Schloß Krumke verschiedenen sozialen Zwecken. Im Juni 2000 verbrannte ein Teil der Inneneinrichtung durch Brandstiftung.